Fabel: Der Löwe, der Fuchs, der Hahn, die Maus und der Esel
Eines Tages rief der Löwe den Fuchs, den Hahn, die Maus und den Esel in seine Höhle. Als alle Tiere bei ihm versammelt waren, gähnte er: "Ihr Untertanen meines gewaltigen Reiches. Mir ist seit Tagen langweilig. So langweilig, dass ich aus Langeweile erwäge, euch zu verspeisen." Ängstlich stoben die Höhlengäste in die Höhe und ergaben nach der Schrecksekunde ein seltsames Bild. "Glaubt nicht, dass ihr mich mit dieser Formation beeindrucken könnt", brüllte der Leu dem Hahn entgegen, der mit schlotternden Knien, die Maus auf dem Kamm balancierend, auf dem Fuchs stand, welcher wiederum auf dem Esel saß. "Ich möchte ordentliche Unterhaltung. Ihr habt ein wenig Zeit, euch etwas einfallen zu lassen. Wenn die Sonne hinter dem roten afrikanischen Tulpenbaum steht, habt ihr wieder bei mir zu sein. Überlegt gut, damit ihr euch nicht auf meiner Speisekarte wiederfindet – und jetzt verschwindet!" Sofort stürmte der Esel panisch aus der Höhle und sorgte dafür, dass die Maus gegen die Höhlentor-Oberkante krachte.
Im Freien berieten die Tiere, was nun das Beste sei. "Ich habe nicht die kleinste Idee, wie wir den Löwen beeindrucken könnten", piepste die Maus. "I a, I a, I a net", stotterte der Esel und legte sich traurig auf den Boden. Der Hahn scharrte nervös im Erdreich. Nach einiger Zeit meinte er: "Was haltet ihr davon, dem König etwas vorzutanzen? Ich war einmal Eiertänzer auf einer Hühnerfarm!" Der Fuchs, der bis jetzt nur zugehört hatte, schlich listig in die Mitte und erhob seine Stimme: "Das ist eine gute Idee. Studiert etwas ein. Das wird dem Löwen sicher gefallen. Ich für meinen Teil werde mich zurückziehen und euch dabei geistig unterstützen." Während der Esel, die Maus und der Hahn mit den Proben begannen, lief der Fuchs nach Hause und holte ein Gerät, das es ihm ermöglichte, bewegte Bilder aus aller Welt zu zeigen. "Wie töricht doch die Tierwelt ist. Damit werde ich die dummen Tänzer ausstechen und in der Gunst des Löwen steigen. Mich wird er lieben, die anderen fressen. Meine Schläue wird mich zur Tafel des Königs führen, und wir werden gemeinsam speisen", dachte der Fuchs bei sich.
Bald neigte sich die Sonne und es war an der Zeit, den Löwen zu unterhalten. Die vier Tiere fanden sich bei ihm ein. "Womit werdet ihr meine Laune verbessern?", brummte der Gebieter und band sich eine Serviette um den Hals.
Stolz krähend stürmte der Hahn hervor, verlangsamte dann aber sein Tempo und krächzte schließlich im fortgeschrittenen Kniegang: "Wir werden für dich tanzen." Vier Minuten später konnte man erahnen, dass sich der Löwe nur noch fragte, ob er die drei mit Salz oder ohne Salz verspeisen sollte.
"Ehrwürdiger Herrscher, verzeih diese schändliche Darbietung, die an Peinlichkeit nicht mehr zu übertreffen ist. Ich habe damit nichts zu tun. Lass mich jetzt meinen Beitrag vorführen. Er wird dir gar wohlgefallen", rief der Fuchs inbrünstig und bedachte den Esel, den Hahn und die Maus mit einem verachtenden Blick. Voll Selbstvertrauen näherte er sich dem Löwen und lächelte siegesgewiss. Doch er trug seine Schnauze so hoch, dass er die Maus übersah, die sich resignierend auf dem Boden zusammengekauert hatte. Der Fuchs stolperte über sie und verlor den Halt unter seinen Füßen. Er stürzte und rollte sich, um sich nicht an den spitzen Steinen zu verletzen, ganz klein zusammen. Da er den Schwung anschließend nicht bremsen konnte, kugelte er auf den Esel zu. Dieser war über den Verrat des Fuchses so erzürnt, dass er diesem einen festen Tritt verpasste. Wie eine Rakete sauste der Fuchsknäuel nun auf den Löwen zu, der vergnügt aufsprang und den roten Tierball volley ü bernahm. Nach einem Hechtkopfball des Hahnes und einem Maus-Fallrückzieher Marke Piola war der Löwe nicht mehr zu halten: "Das macht Spaß. Noch nie habe ich mich besser amüsiert. Lasst uns zwei Mannschaften bilden, ich spiele mit der Maus!", kreischte der Herrscher aufgeregt. Gesagt, getan. So spielte das Quartett mit dem Fuchsball und der Löwe vergaß, was Langeweile überhaupt bedeutet. Beim Stand von 2 : 2 ächzte der Fuchs: "Mir ist schwindlig." "Still, sonst wirst du gefressen", konterte der Löwe erbarmungslos und gab dem bereits etwas ermatteten Fuchs wieder eine herrlich runde Form. Den Pranken sei Dank.
Der Löwe hatte ein neues Lebenselixier entdeckt und traf sich täglich mit dem Esel, dem Hahn und der Maus, um mit ihnen Fuchsball zu spielen. Der Fuchs, vor die Wahl gestellt, ob er den Magen des Löwen persönlich kennen lernen oder eine rollende Rolle übernehmen wolle, entschloss sich für Letzteres und beeindruckte durch seine bestechende Ballform.
Lehre: Hochmut kommt vor dem Fall (Ball). Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
 
Schüttelreim
Entweiht man schändlich einen Fußball,
wird das im Beichtstuhl zu einem Bußfall.
 
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